In seiner Rede am 9. Februar im österreichischen Graz/ Steiermark zum Gedenken an die gefallenen Soldaten
dreier Nationen in der Schlacht bei Oeversee am 6. Februar 1864 sagte Oberstleutnant Gerhard Pichler vom Zentrum Internationale Kooperation/ ZIK, das das Oeversee-Gedenken als Traditionsträger im österreichischen Bundesheer ausrichtet, vor Gästen aus Österreich, Deutschland und Dänemark u.a.:
Wir, das Zentrum für internationale Kooperation, sind der Überlieferungsnachfolger des steirischen Infanterieregiments Nr. 27 »König der Belgier« und des steirischen Feldjägerbataillons Nr. 9, die damals vor 141 Jahren am 6. Februar 1864 in Oeversee/ Sankelmark gekämpft haben.
Wir freuen uns darüber, dass heute erstmals Teilnehmer aus allen drei Nationen in die Steiermark gekommen sind, darunter sogar eine Gruppe dänischer Soldaten aus Kopenhagen in ihren historischen Uniformen.
Heute vor etwas über zwei Jahren, am 6. Februar 2003, hielt der ehemalige Amtsbürgermeister des Amtes
Sønderjylland, Kresten Philipsen, am Österreicherdenkmal in Oeversee die Gedenkrede. Es war das erste Mal, dass ein Däne sprach, und er sprach in deutscher Sprache.
Voriges Jahr sprach der Generalkonsul des Königreiches Dänemark, Henrik Becker-Christensen am dänischen
Denkmal in dänischer und deutscher Sprache.
Die beiden Herren taten damit in dem Bemühen um gegenseitiges Verstehen einen großen Schritt.
Es freut uns alle ganz besonders, dass heute in Graz zum ersten Male auch die dänische Seite am Oeversee/
Sankelmark-Gedenken teilnimmt.
Das Flensburger »Stammkomitee von 1864« nimmt in dieser der Geschichte besonders stark verbundenen Region auch eine besondere Stellung ein. Seine jeweils fünf Mitglieder halten die Erinnerung weniger an das Gefecht bei Oeversee am 6. Februar 1864 als an die darauf folgende Hilfsaktion Flensburger Bürger wach.
Ich danke dem Stammkomitee und seinem Vorsitzenden Hans Dethlefsen für sein intensives Wirken als Ausrichter des Oeverseemarsches, ganz besonders aber für seine Bemühungen, diesen Tag zu einem gemeinsamen Gedenktag zu machen.
Die direkten Verbindungen zwischen Oeversee und der Steiermark sind nicht allzu groß. Die weite Entfernung von den Alpen bis zur Ostsee zeigt sich da etwas hinderlich, so dass Besuche nur in größeren Zeitabständen möglich sind. Doch gibt es in unserer Landeshauptstadt Graz die Oeverseegasse, das Oeverseegymnasium und den Oeverseepark, so wie
auch Oeversee einen Grazer Platz hat.
Der Krieg von 1864 wurde gemeinsam von Österreich und Preussen als zwei Staaten im Deutschen Bund gegen Dänemark geführt. Der Krieg brachte allerdings keine Lösung, auch nicht in der in diesem Land aufgeflammten Nationalitätenfrage, er verschob dieses Problem lediglich.
Ein bedeutender Schritt zur Lösung der Nationalitätenfrage erfolgte erst mit der Volksabstimmung 1920 und der auf ihr
beruhenden Grenzziehung. Der weitergehende Ausgleich kam dann 1955 mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen zu den Minderheiten im dänisch-deutschen Grenzland, welchen europaweit ein Vorbildcharakter zukommt.
Es hat sich gezeigt, dass Traditionspflege in richtiger Art und Weise praktiziert, Brückenbauer zwischen den Menschen sein kann und schafft dadurch Frieden und Freiheit.
Unsichtbare Barrieren konnten in der Folge einer bewussten dänisch-deutschen Zusammenarbeit im Grenzland weitgehend abgebaut werden.
Das ist eine erfreuliche Entwicklung.
Ein hervorragendes Zeichen dieser Entwicklung sind auch die trinationalen Kriegsgräbereinsätze 2001 in Schleswig, 2002 in Rendsburg, 2003 in Flensburg und 2004 in Graz. Dänische, deutsche und österreichische Soldaten haben daran teilgenommen. Diese gemeinschaftlichen Kriegsgräber-Einsätze bewirkten mehr als nur die Instandsetzung und Pflege der Kriegsgräber.
Sie trugen dazu bei, das Klima im deutsch-dänischen Grenzland in positiver Richtung zu verändern.
Die Kriegsgräber von 1864 in Schleswig-Holstein sind zu historischen Stätten der schleswig-holsteinischen, deutschen, dänischen, österreichischen und damit der europäischen, unserer gemeinsamen, Geschichte geworden. Sie erinnern an jene Zeit und mahnen uns zugleich, Frieden zu halten und für den Frieden aktiv einzutreten.
Das Sich-Kennenlernen des - auch weiter entfernten - Nachbarn ist dazu ein wichtiger Schritt.
Es ist daher erfreulich, dass der nächste deutsch-dänisch-österreichische Kriegsgräbereinsatz aller Voraussicht nach im Sommer 2005 in Sonderburg, also erstmals in Dänemark, stattfinden wird.
Unser ehemaliger Regimentskommandant Brigadier Johann Urdl, hat an dieser Stelle wiederholt ausgesprochen und so will auch ich es heute tun: »Wer geschichtslos ist, ist gesichtslos!«
Wir, die heute hier versammelt sind, beweisen, dass wir unsere Geschichte nicht vergessen haben, Negatives vermeiden und Positives auch in Zukunft anwenden wollen und das Andenken an die Gefallenen beider Seiten hochhalten.