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urlpoint  Nordfriiskinstituut































en koon friisk ~ en kan friisk ~ en kon friisk ~ en kuon friisk

Newsletter Nordfriiskinstituut Bredstedt

Gudai leew lidj,

in der 12. Ausgabe unseres Newsletters en koon friisk (eine Kanne Friesisch) vom März 2005 haben wir ein wenig Lesestoff für die
kommenden Feiertage vorbereitet. Zunächst geht es um Verkleinerungsformen im Fering-öömrang. Anschließend stellen wir zwei
österliche Reime vor und zu guter Letzt stehen einige Überlegungen zu dem kleinen Wort „sik“.

1. jest kop ~ iarst kop ~ iaars kop ~ iirst kop ~ jarst kop ~ eerst kop

Verkleinerungsformen

„Eike - puleike - kom hial weler deel!“ (Eichen - Popeichen- komm heil wieder runter!), rufen die Kinder auf Föhr und Amrum, wenn sie
auf den Feldern ihre Ostereier in die Luft werfen. Bei eike und puleike handelt es sich um Diminutiva, Verkleinerungsformen also, die
wegen ihrer Vielfalt eine Besonderheit des Fering-öömrang ausmachen.

Von der Laus (lööske von lüs) bis zur Düne (dönk von dün), vom Schrubber (skröberk von skrober) bis zum Nagel (spegerk von spiker),
Diminutiva finden sich in allen Lebensbereichen. In erster Linie werden sie natürlich in Zusammenhang mit Kindern benutzt. Diese
haben uugke, nöösche, beenke, fuutje (Äuglein, Näschen, Beinchen, Füßchen) oder spielen mit ketje, huntje, skepke (Kätzchen,
Hündchen, Schiffchen). Bei diesen Ausdrücken fällt die deutsche Übersetzung nicht schwer. Anders ist es jedoch bei Begriffen wie
hegenke (von hegen, Kissen), pörk (von por, Krabbe) oder seerke (von siar, Wunde). Sofern es sie im Deutschen überhaupt gibt, sind
sie alles andere als geläufig.

Neben Substantiven gibt es auch Verben, die sich verkleinern lassen: göönke (von gung, gehen), röfke (von rofe, reiben), gröntje (von
gronte, grunzen) sind nur einige Beispiele. Kleine Kinder sind auch nicht feet (fett), sondern feetjet. Das Wort meint zwar das gleiche,
hört sich aber nicht so niederschmetternd an. Und schließlich gibt es auch für das traurigste Ereignis einen Diminutiv: böörk (von baar,
Bahre).

Mit den Diminutiva des Amrumer und Föhringer Wortschatzes könnte man theoretisch ganze Unterhaltungen bestreiten. Das aber
würde sich dann wohl doch etwas zu „niedlich“ anhören.

2. taust kop ~ naist kop ~ tweet kop ~ uur kop ~ tweerd kop ~ tweed kop

Falls Ihre Kinder schon ungeduldig auf das Ostereiersuchen warten, können sie diese beiden Reime zur Ablenkung mit ihnen einüben.

mooringer frasch

Gudäi, gudoi!

Nü kam ik ma min pooscheoi!

Iinj as nint,

tou as wat,

jü treed as’n oi,

jü fiird as’n spoi,

jü füft as min ulerbeest pooscheoi.

(Guten Tag, guten Tag! Jetzt komme ich mit meinem Osterei! Eins ist keins, zwei sind etwas,

das Dritte ist ein Ei, das vierte ist ein Spatz (?), das Fünfte ist mein allerbestes Osterei.)

fering

Jister wiar ik uun guard am smok ruusen tu schüken.

Do siig ik diar so’n letj haas ambirüken.

„Naan Ninje“, saad ik,

„dü beest jo wel blinj,

dü könst din wok neest

wel ei weler finj?“

Ik trääd en betj naier,

man wat lai diar wel?

Fjauer grat aier

mä’n smok bruket skel.

An Ninje, hat swaaret:

„Ik haa min neest goorei soocht,

ik haa dö letj jongen

puaskaier broocht.“

(Gestern war ich im Garten um schöne Blumen zu suchen. Da sah ich dort einen kleinen Hasen herumhüpfen. „Na, Häschen“, sagte
ich, „du bist ja wohl blind, du kannst deine weiches Nest wohl nicht wiederfinden.“ Ich trat ein wenig näher, aber was lag dort wohl? Vier
große Eier mit einer schön bunten Schale. Und Häschen, das antwortete: „Ich habe mein Nest gar nicht gesucht, ich habe den kleinen
Kindern Ostereier gebracht.“)

Und falls Sie noch etwas zum Vorlesen brauchen für die Osterferien, dann bestellen Sie bei uns doch einfach das wunderschöne Buch
vom Huhn und vom Ei von James Krüss und dem Zeichner Josef Pale?ek. Das Buch (mit den lebendigen Eiern) gibt es in den fünf
Dialekten Fering, Öömrang, Sölring, Halunder und Mooringer frasch für € 8,60.



Info



3. trer kop ~ traad kop ~ treed kop ~ der kop ~ treerd kop

I. Der Abschied von sik

Vielen ist bekannt, dass das Friesische und das Englische verwandte Sprachen sind. Eins der Merkmale, die dies belegen sollen, ist
das Reflexivpronomen, das sich im Friesischen und Englischen etwas anders entwickelt hat als in den übrigen germanischen
Sprachen.

Das Reflexivpronomen hat mehrere Formen und heißt im Deutschen 'mich', 'dich', 'uns', 'euch' oder 'sich'. Es wird benutzt in Sätzen wie:
„Ich freue mich“, „Wir freuen uns“ usw.

Neben ihrer Funktion als Reflexivpronomen kennen wir 'mich', 'dich', wir' und 'euch' auch als Akkusativform des Personalpronomens,
und daraus sind die soeben genannten Reflexivformen auch entstanden. Nur das Wörtchen 'sich', das sowohl für die 3. Person Einzahl
(„Er/Sie freut sich.“) als auch für die 3. Person Mehrzahl („Sie freuen sich.“) verwendet wird, kann als eigenständiges reflexives
Pronomen bezeichnet werden, und das nun fehlt im heutigen Englisch und Friesisch.

Das war nicht immer so. Zunächst hatten alle germanischen Sprachen eine Form des indoeuropäischen *se, das so viel wie „gesondert“
oder „für sich“ bedeutet. Im Althochdeutschen wurde es zu 'sih', im Altfriesischen zu 'sik'. Aus irgendeinem Grund wurde diese sik-Form
dann aber in den nordseegermanischen Sprachen durch die entsprechenden Akkusativformen des Personalpronomens abgelöst, und
diese Akkusativformen gelten heute noch als das einzig korrekte Reflexivpronomen in allen friesischen Dialekten – im Gegensatz etwa
zum Niederländischen, wo es durch Einfluss des Deutschen später wieder durch 'zich' ersetzt wurde.

II. Eine neue Chance für sik?

Die Einführung der Akkusativformen des Personalpronomens in der 3. Person Einzahl und Mehrzahl bedeutete für das Friesische, dass
das Reflexivpronomen nun zwei geschlechtsabhängige Formen in der Einzahl hatte, nämlich wirh. häm und här, und eine dritte Form im
Plural, nämlich wirh. jäm. Um diese Mehrzahlform soll es im Folgenden gehen.

In allen nordfriesischen Dialekten außer dem Fering endet die 3. Person Plural des Reflexivpronomens genau wie das wirh. auf -m, also
sölr. jam, hal. djam, halifr., moor. und ngoosh. jam. Nur das Fering tanzt aus der Reihe mit der Form jo (Jo frööge jo).

Dazu kommt, dass die Akkusativformen der 2. und 3. Person Mehrzahl im Festlandsfriesischen gleich sind. 'Euch' und 'sie' heißen also
beide jäm bzw. jam. Um aber eine Verwechslung zwischen 'euch' und 'sie' zu vermeiden, bevorzugt man im Mooringer Friesisch immer
öfter ja vor jam, also „Ik hääw ja drååwed“ (Ich habe sie getroffen) anstatt „Ik hääw jam drååwed“.

Und nun kommt die Schwierigkeit: Dieses ja (also die alternative Akkusativform) wird im Mooringer Friesisch neuerdings auf das
Reflexivpronomen übertragen. Dann bekommen wir Sätze wie: „Ja beganden, ja tu drååwen.“ (Sie fingen an, sich zu treffen). Das
Mooringer ja in dieser Stellung hört sich aber an wie der berühmte Bohrer im kranken Zahn. Sogar sik würde sich in diesem Fall
besser machen.

Wenn es nun aber immer häufiger zu Verwechslungen kommt zwischen jam und ja, sollte man vielleicht darüber nachdenken, das
plattdeutsche (und altfriesische) sik wieder einzuführen. Auch wenn es in den letzten Jahrzehnten sehr erfolgreich bekämpft werden
konnte.

Abkürzungen:

sölr. = Sölring (Sylterfriesisch)

fe.-öö. = Fering-Öömrang (Föhr-Amrumer Friesisch)

hal. = Halunder (Helgoländer Friesisch)

wirh. = Wiringhiirder freesk (Wiedingharder Friesisch)

moor. = Mooringer frasch (Mooringer Friesisch)

ngoosh. = Noordergooshiirder fräisch (Nordergoesharder Friesisch)

halifr. = Halifreesk (Halligfriesisch)

Redaktion dieser Ausgabe: Antje Arfsten, Adeline Petersen